Zwei Mal in der deutschen Geschichte durfte jemand anderes als der Staat Briefe befördern – und beide Male ging es in Sachsen besonders lebhaft zu. Die erste Welle begann 1886 und endete abrupt am 1. April 1900. Die zweite begann 1998, und im Erzgebirge, im Vogtland und im Chemnitzer Raum wurde sie von einem Zeitungsverlag getragen, dessen Zusteller ohnehin jeden Morgen unterwegs waren. Wer die Stempel dieser Jahre sammelt, hält Belege einer Wirtschaftsgeschichte in der Hand, die in keinem Schulbuch steht.
Dieser Beitrag ordnet das Material ein: Warum es überhaupt private Briefdienste geben durfte, warum sie wieder verschwanden, weshalb zwischen 2000 und 2010 in fast jeder westsächsischen Kreisstadt eine eigene dreistellige Niederlassungsnummer im Stempel stand – und was aus alldem geworden ist.
Das Signet der Vertriebsdienstleistungen Express GmbH, dem Briefdienst der Freien Presse in Westsachsen.
Erste Spuren eines Postwesens finden sich in Sachsen gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Es war zunächst ein rein behördliches Botensystem, zu dem die Öffentlichkeit keinen Zugang hatte; daneben unterhielt Leipzig als Messestadt eigene Botenverbindungen nach Augsburg, Nürnberg, Braunschweig, Dresden, Magdeburg, Hamburg, Prag und Wien. Für das Erzgebirge kam ein zweiter Antrieb hinzu: Der Bergbau brauchte schnelle, verlässliche Nachrichten zwischen Gruben, Hütten, Münzstätten und der landesherrlichen Verwaltung in Dresden und Freiberg.
Mit dem Ausbau der Postkurse wuchs der Ordnungsbedarf. Ein Edikt vom 24. Februar 1693 schuf die Grundlage für eine sächsische Oberpostbehörde. Am 19. September 1721 befahl der Kurfürst, an allen Land- und Poststraßen steinerne Meilensäulen zu setzen und vor den Stadttoren Distanzsäulen zu errichten – die kursächsischen Postmeilensäulen, deren Entfernungsangaben zugleich die Berechnungsgrundlage für das Porto lieferten. 1722 wurde dafür die kursächsische Postmeile festgelegt: 2000 Ruten, zwei Wegstunden, rund 9,06 Kilometer. Sie galt bis 1840; die neue Meile maß dann 7500 Meter, und zwischen 1859 und 1865 entstand mit den königlich-sächsischen Meilensteinen ein zweites Leitsystem, das im Erzgebirge entlang der Kammstraße bis heute in Resten steht.
Das Königreich Sachsen betrieb sein Postwesen lange in eigener Regie: 1850 trat es dem Deutschen Postverein bei und gab am 1. Juli desselben Jahres mit dem „Sachsendreier“ sein erstes Postwertzeichen heraus. 1865 zählte das sächsische Postgebiet 232 Postämter und Expeditionen, vier fahrende Eisenbahn-Postämter und drei Briefsammlungen. Zum 1. Januar 1868 ging diese gut ausgebaute Verwaltung in der Norddeutschen Bundespost auf – der Anfang vom Ende regionaler Eigenständigkeit im Postwesen.
Die erste Privatpost-Welle 1886 bis 1900
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Das Reichspostgesetz ließ eine Lücke: Dem staatlichen Postzwang unterlagen verschlossene Briefe von Ort zu Ort. Offene Sendungen und der Ortsverkehr – also alles, was innerhalb derselben Stadt blieb – waren frei. Genau dort setzten ab 1886 die privaten Stadtpostanstalten an. Sie stellten mehrmals täglich zu, unterhielten eigene Briefkästen, gaben eigene Briefmarken und Ganzsachen heraus und unterboten die Reichspost deutlich. Zwischen 1886 und 1900 gab es in rund 170 deutschen Städten mehr als 250 solcher Anstalten.
Sachsen war gut vertreten. In Dresden arbeitete die Privatpost „Hansa“, von der unter anderem eine Sonderkarte zum Sedanstag von 1890 überliefert ist; in Chemnitz bestand die Anstalt „Briefbeförderung Hammonia“, deren Geschichte in der postgeschichtlichen Fachliteratur eigens aufgearbeitet wurde. Leipzig, Plauen und Zwickau als Industrie- und Handelsstädte gehörten ebenfalls zum Wirkungsraum dieser Unternehmen.
Das Ende kam per Gesetz: Die Postgesetznovelle vom 20. Dezember 1899 untersagte alle gewerbsmäßig betriebenen Privatpostanstalten zum 1. April 1900 und dehnte den Postzwang auf verschlossene Ortsbriefe aus. Den 84 zu diesem Zeitpunkt noch bestehenden Unternehmen wurde eine Entschädigung „für tatsächlichen Verlust und entgangenen Gewinn“ gezahlt; insgesamt kostete das neu geschaffene Monopol das Reich rund 8,2 Millionen Goldmark.
Neunzig Jahre Staatspost
Was danach kam, ist rasch erzählt, weil es privatwirtschaftlich nichts zu erzählen gibt. Reichspost, Deutsche Post der DDR, Deutsche Bundespost – die Briefbeförderung blieb hoheitliche Aufgabe. Erhalten blieb allerdings die kleinteilige Organisation: Die Bezirksdirektion Karl-Marx-Stadt führte ab 1971 die Post- und Fernmeldeämter Annaberg-Buchholz, Aue, Auerbach im Vogtland, Freiberg, Plauen, Rochlitz und Zwickau sowie die Hauptpostämter der Bezirksstadt. Es ist bemerkenswert, wie genau dieses Netz jenen Orten entspricht, in denen dreißig Jahre später die privaten Briefdienste ihre Niederlassungen einrichteten. Die Geografie der Zustellung folgt eben nicht der Politik, sondern den Tälern, Straßen und Kreisstädten.
Nach 1990 wurde die Deutsche Bundespost in mehreren Schritten umgebaut; mit der zweiten Postreform entstand 1995 die Deutsche Post AG. Parallel bauten die Zeitungsverlage in Ostdeutschland eigene Zustellorganisationen auf – zunächst nur für die eigene Auflage. Für den Chemnitzer Verlag mit seiner „Freien Presse“ war das die Keimzelle der späteren VDL Sachsen.
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Die Herkunft steht auf der Sendung: „Zugestellt durch Freie Presse – Die Tageszeitung“, 77 × 28 mm, nachgewiesen am 7. April 2000 bei der Niederlassung Chemnitz-West.
1998: die zweite Öffnung und ihre Tücken
Zum 1. Januar 1998 trat ein neues Postgesetz in Kraft. Es beendete das Monopol nicht, sondern portionierte es: Die Deutsche Post AG behielt eine befristete Exklusivlizenz für leichte Briefsendungen – zunächst bis 200 Gramm, später abgesenkt auf 100 und schließlich 50 Gramm. Zugleich konnte jedes Unternehmen bei der Regulierungsbehörde, der späteren Bundesnetzagentur, eine Lizenz zur gewerbsmäßigen Beförderung von Briefsendungen beantragen.
Der Haken steckte im Detail, und er erklärt fast alles, was Sammler auf den Belegen dieser Jahre sehen. Wer innerhalb des Monopolbereichs befördern wollte, musste eine höherwertige Dienstleistung erbringen: Abholung beim Absender, Zustellung noch am selben Tag oder ähnliche Zusatzleistungen. Das machte die private Zustellung aufwendiger als den schlichten Briefkasteneinwurf und zwang die neuen Anbieter in das Geschäftskundengeschäft. Deshalb tragen die frühen Belege der sächsischen Briefdienste fast immer einen Absenderstempel: Er dokumentierte, dass die Sendung beim Kunden abgeholt worden war. Erst mit dem Fall des Monopols zum 1. Januar 2008 entfiel diese Pflicht.
Ein Briefdienst muss jeden Haushalt erreichen können. Wer bereits sechsmal pro Woche eine Tageszeitung austrägt, hat dieses Netz schon – Zusteller, Bezirke, Fahrzeuge, Frühschichten. Die Briefzustellung war für die Verlage deshalb kein neues Geschäft, sondern die zweite Auslastung einer bestehenden Infrastruktur. In Sachsen entstanden daraus zwei Systeme: im Osten die MEDIA Logistik GmbH des Dresdner Druck- und Verlagshauses, die seit 1999 unter der Marke PostModern auftritt, im Westen die VDL Sachsen des Chemnitzer Verlags, die zum 1. Januar 2000 startete.
Die ersten Wochen: Kastenstempel und Zeilenstempel
Dass der 1. Januar 2000 als Startdatum stimmt, lässt sich am Stempelmaterial ablesen: Die frühesten bekannten Abschläge stammen aus den ersten Januartagen 2000 – 5. Januar in Chemnitz-Mitte, 6. Januar in Chemnitz-Ost, 15. Januar in Burgstädt, 17. und 18. Februar dann aus einem knappen Dutzend weiterer Niederlassungen. Die Postgeschichte datiert den Start des Briefdienstes präziser als jede Firmenchronik.
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Die Stempel der Anfangszeit waren Behelfslösungen aus dem Bürobedarf: rechteckige Kastenstempel mit Firmenanschrift und eingesetztem Datum, mancherorts fünfzeilige Zeilenstempel mit separatem Datumsstempel daneben. Sie sind meist nur wenige Wochen nachweisbar und deshalb heute die gesuchtesten Stücke des Gebiets.
Chemnitz-West, 66 × 45 mm, 17.02.2000Chemnitz-Mitte, 66 × 45 mm, 21.01.–30.03.2000Stollberg, 66 × 45 mm, 20.01.–13.03.2000Annaberg-Buchholz, 58 × 37 mm, 18.02.2000Schwarzenberg, 58 × 37 mm, 21.02.2000Zschopau, 58 × 37 mm, 17.02.2000Chemnitz-Nord/Ost, 58,5 × 38 mm, 18.02.2000–26.02.2002Oelsnitz im Vogtland, 59 × 38 mm, 17.02.2000Plauen, 55 × 35 mm, 23.02.2000Zwickau-West, 56,5 × 35,5 mm, 28.09.2000Zwickau-West, Ovalstempel 47 × 31,5 mm, 18.–24.02.2000Zwickau-Nord, 48 × 27 mm, 18.02.2000Zwickau-Nord, aptiert (Telefon und Fax geändert), 26.02.2002Werdau-Crimmitschau, 46 × 31 mm, 19.02.2000Glauchau, 46 × 31 mm, 17.02.2000Mittweida, 48 × 27 mm, 05.–17.02.2000Reichenbach, 43 × 27,5 mm, 21.09.2000–01.10.2002Freiberg, 29.01.2000–28.02.2002Burgstädt, 43 × 28,5 mm, blau, 15.01.–30.03.2000Hohenstein-Ernstthal, 43 × 28 mm, 17.02.2000Falkenstein/Klingenthal, 46 × 27,5 mm, 17.02.2000Aue, fünfzeilig, 52 × 23 mm, 21.02.2000Aue, zweite Form, 44 × 29 mm, 18.12.2000Marienberg, 45 × 18 mm, 17.02.2000Der zugehörige separate Datumsstempel aus MarienbergChemnitz-Mitte, 55 × 20,5 mm, diente auch zur Beförderung, 05.01.2000–18.06.2002Chemnitz-Mitte, 43 × 26,5 mm, 08.04.–13.07.2002Chemnitz-Nord/Ost, 55 × 25 mm, 06.01.2000Chemnitz-West, 43 × 20,5 mm, ohne Datumsangabe auf den BelegenFalkenstein/Klingenthal, 35 × 17 mm, 17.02.2000
Die runden Stempel mit zweistelliger Betriebsnummer
Ab Frühjahr 2000 lösten runde Tagesstempel die Kästen ab – mit 29 bis 40 mm Durchmesser und einer zweistelligen Betriebsnummer. Sie sind bis in den Herbst 2002 in Gebrauch und zeigen bereits die ganze Vielfalt späterer Jahre: mit und ohne Telefonsymbol, mit breiter oder schmaler Rufnummer, gelegentlich in Blau statt Schwarz.
Chemnitz 00, 30 mm, 28.04.–24.05.2000Chemnitz 00, 30 mm schwarz, 17.04.2000–01.06.2001Chemnitz 00, mit Telefonsymbol, 15.06.2001–17.08.2002Chemnitz 00, altes Datum, ohne Telefonsymbol, 07.06.2001Chemnitz 00, neues Datum, 19.03.–14.09.2002Chemnitz-Mitte 04, 30 mm, 05.05.2000–09.08.2002Chemnitz-Nord/Ost 05, altes Datum, 11.03.2000–26.02.2002Chemnitz-Nord/Ost 05, neues Datum, 11.03.–07.12.2002Chemnitz-West 06, 30 mm, 05.05.2000–07.06.2002Chemnitz-West 06 in Blau, 10.01.2002Burgstädt 03, 30 mm, 30.05.2000–02.10.2002Annaberg-Buchholz 01, Bindestrich in der Rufnummer, 38 mm, 15.12.2000Annaberg-Buchholz 01, Schrägstrich in der Rufnummer, 32 mm, 2002Aue 02, breite Rufnummer, 35,5 mm, 28.04.–14.12.2000Aue 02 mit Fehldatum: 08.04.1999 statt 2000Aue 02, unten ausgebrochen, 05.05.2001Aue 02, neue Anschrift, 35,5 mm, 06.03.–07.09.2002Flöha/Brand-Erbisdorf 08, 30 mm, 18.12.2000–18.05.2002Flöha/Brand-Erbisdorf 08 in Blau, 2001Flöha/Brand-Erbisdorf 08, verzerrter Abschlag, 2001–2002Freiberg 09, ohne Telefonsymbol, 31.08.2000–31.01.2002Freiberg 09 in Blau, 13.01.–28.02.2002Freiberg 09, mit Telefonsymbol, 20.07.2001–11.09.2002Freiberg 09, blau mit Telefonsymbol, 31.01.2002Glauchau 10, 34,5 mm, 14.12.2000–27.02.2002Glauchau 10, mit Telefonsymbol, 30 mm, 2001–2002Glauchau 10, ohne Telefonsymbol, 14.06.–07.09.2002Hohenstein-Ernstthal 11, 35 mm, 08.01.2000–26.05.2001Hohenstein-Ernstthal 11 in Blau, 04.12.2000Hohenstein-Ernstthal 11, flache Rufnummer, 29 mm, 2001–2002Hohenstein-Ernstthal 11, hohe Rufnummer, 22.04.2000–19.12.2002Marienberg 12, kleine Rufnummer, 29 mm, 2001–2002Marienberg 12, große Rufnummer, 17.08.–21.12.2000Mittweida 13, 30 mm, 26.10.2001–12.07.2002Mittweida 13, ältere Anschrift, 26.06.2000–15.08.2001Oelsnitz/Klingenthal 14, 30 mm, 17.06.2000–28.02.2002Oelsnitz/Klingenthal 14 in Blau, 07.09.2000Plauen 15, 30 mm – Abschlag mit Fehldatum 27.12.2011 statt 2001Plauen 15, 30 mm, 02.04.–22.12.2001Reichenbach 16, 30 mm, 07.08.2000–27.04.2002Schwarzenberg 17, 33 mm, 24.06.2000–20.09.2002Stollberg 18, 30 mm, 28.04.2000–09.10.2002Stollberg 18, neues Datum, 30.05.–04.10.2002Stollberg 18, Infopost rot, altes Datum, 10.10.2002Stollberg 18, Infopost rot, neues Datum, 12.10.2002–07.03.2003Werdau-Crimmitschau 19, ältere Form, 21.02.–09.06.2001Werdau-Crimmitschau 19, 29 mm, 04.07.2001–08.08.2002Zschopau 20, 33 mm, 16.02.–05.06.2002Zschopau 20, ältere Anschrift, 10.02.2001Zwickau-Nord 21, 30 mm, 08.06.2000–26.04.2002Zwickau-Nord, neue Anschrift, 30 mm, 19.07.–11.10.2002Zwickau-West 22, 30 mm, 28.09.2000–25.05.2002Zwickau-West, Übergangsform mit 404, 30 mm, 10.08.–05.09.2002Falkenstein/Klingenthal 07, 29 mm, 12.02.2002Oelsnitz/Klingenthal 431, 29 mm, 12.07.2002–08.04.2003
Ab 2002: die dreistelligen Kennziffern
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Im Spätsommer 2002 stellte das Unternehmen auf ein einheitliches System um: runde Tagesstempel von 31 mm Durchmesser mit dreistelliger Niederlassungsnummer, von 100 in Chemnitz bis 471 in Werdau. Diese Nummern sind das Rückgrat jeder Sammlung. Schwarz stand für den Briefdienst, Rot für Infopost – eine Unterscheidung, die sich über alle Generationen hielt und die Sammlung jedes Ortes automatisch verdoppelt.
100 Chemnitz
31 mm, 10.09.2002–12.06.2007Infopost, 31 mm rot, 20.09.2002–22.09.2006Infopost rot mit Fehldatum: 15.10.2004 statt 2003Fehldatum 07.02.2014 statt 2003Fehldatum 09.–10.04.2014 statt 2003Fehldatum 08.08.2014 statt 2003Fehldatum 28.10.2016, vermutlich statt 2007Fehldatum 08.08.2012 statt 2002
Absenderstempel, 40 × 26 mm, blauAbsenderstempel ohne E-Mail-Adresse, 50 × 19 mm, 14.06.2002–31.01.2003Absenderstempel mit E-Mail-Adresse, 57 × 21,5 mm, 08.04.2003–25.05.2004Absenderstempel Winklhoferstraße, 67 × 28 mm, Kennzahl 2, 04.06.2009Kennzahl 3, 19.12.2008–31.08.2009Kennzahl 6, 19.12.2008Kennzahl 8, 11.01.2008Geschäftsbereich Briefdienst, Limbacher Straße 193, 67 × 28 mm, 2009Geschäftsbereich Postdienst, 68 × 29 mm, 06.11.–18.12.2009
102 Chemnitz-Mitte und 103 Chemnitz-Nord/Ost
102, 31 mm, 26.09.2002–13.09.2006102, Infopost rot, 19.09.2002103, 31 mm, 11.03.2002–19.06.2006103, Infopost rot, 11.03.2002Absenderstempel 102, 57 × 19 mm, 29.08.2002–21.07.2007102, Am Erlenwald 23, 56,5 × 19 mm, 02.10.2007–18.02.2008Absenderstempel 103, 51,5 × 20 mm103, 38 × 24,5 mm, 09.12.2003–14.05.2004Chemnitz Express, Bahnhofstraße 20, 40 × 35,5 mm, 12.09.2008 – nur Zeitungszustellung
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108 Chemnitz-West
108, Infopost rot, 21.05.2003–15.06.2006108, 31 mm schwarz, 17.01.2005–13.10.2006Fehldatum 05.05.2011 statt 2001Absenderstempel 108, 56 × 19 mm, 17.01.2005–18.10.2007
111 Burgstädt und 181 Mittweida
111, 31 mm, 2002–2004 und 2008111, Infopost rot, 01.11.2002–08.09.2003111, kleines Datum, kurze Inschrift, 2005–2007111, Infopost, kleines Datum, 2006111, enge Inschrift, 18.02.2004–11.04.2008111, Infopost, enge Inschrift, 2004–2008181, 30 mm, 09.08.2002–26.05.2003181, Infopost 30 mm rot, 15.04.2003181, 31 mm, 17.09.2002–12.12.2007181, Infopost 31 mm rot, 2002–2007181, kleines Datum, 2006–2007181, Infopost, kleines Datum, 2006–2007Absenderstempel Marienstraße, 46,5 × 17 mm, 26.03.2003Absenderstempel Schillerstraße, 46,5 × 17,5 mm, 2003–2007Zusatzstempel zum Kennzeichnen von Einschreibsendungen, 68,5 × 24 mm, 04.09.2003
121 Annaberg-Buchholz
121, 34 mm, 12.07.2002–20.08.2003121, 31 mm, 23.10.2002–05.03.2008121, Infopost rot, 14.09.2002–27.04.2007Absenderstempel, 53,5 × 21 mm, 07.11.2003–06.01.2004
131 Aue
131, 31 mm, 11.09.2002–05.03.2008131, kleines Datum, 03.11.2005–29.03.2006131, Infopost rot, 17.09.2002–08.02.2008Absenderstempel Aue, 57 × 21 mm, 05.03.2002„Eingegangen“-Stempel, 57,5 × 36,5 mm, 06.03.2002
151 Flöha und Brand-Erbisdorf, 161 Freiberg
151, 31 mm, 12.09.2002–04.10.2007151, Infopost rot, 01.03.2003–08.12.2006161, 31 mm, 27.09.2002–22.01.2007161, Infopost rot, 15.10.2002–29.02.2008161, kleines Datum, 05.11.2003–06.01.2006Fehldatum 29.09.2014 statt 2003Absenderstempel, 35,5 × 13 mm, 08.10.2001
Marienberg ist der Sonderfall des Gebiets: Hier wechselten Durchmesser und Schriftbild häufiger als anderswo, von 31 über 32 und 33 bis 35,5 mm, mit gerader und gewölbter Ziffernfolge, einmal sogar mit Sternchen.
200, neues Datum, 31 mm, 25.10.–05.11.2002200, altes Datum, 01.03.2003–29.04.2004Fehldatum 19.12.2001 statt 2003Der zugehörige separate Datumsabschlag200, engere Schrift, schmaler Außenrand, 2003–2006200, Infopost rot, altes Datum, 30.05.2003200, 32 mm schwarz, gerade Ziffern, 2006–2007200, Infopost 32 mm rot, 19.09.2007200, 34,5 mm, altes Datum, 2003–2007200, 34 mm schwarz, gewölbte Ziffern, 2006–2007200, Infopost 34 mm rot, 08.11.–05.12.2007200, Infopost 35,5 mm rot, 2005200, 35 mm schwarz, mit Sternchen, 08.08.–18.12.2007
221 Schwarzenberg, 232 Stollberg, 240 Zschopau
221, 31 mm, 28.08.2002–15.09.2006221, Infopost rot, 22.11.2002–25.03.2004221, kleines Datum, 17.10.2006232, 31 mm, 18.10.2002–06.03.2008Fehldatum 16.–20.09.2014 statt 2004232, Infopost rot, 19.03.2002–05.07.2006232, kleines Datum, 28.11.2005240, 31 mm, 24.09.2002–27.06.2006240, Infopost rot, 07.12.2002–04.05.2006Absenderstempel Stollberg, 43,5 × 21 mmStollberg, Goldbachstraße, 41 × 17 mm, 19.02.2008Zusatzstempel „Wichtige Preisinformationen“, 57 × 9 mm, 09.09.2003
401 und 404 Zwickau
401, 31 mm, 21.09.2002–06.03.2008401, Infopost rot, 06.11.2002–04.12.2007Fehldatum 14.03.2006 statt 14.09.2005401, kleines Datum, 20.12.2005–25.01.2006401 mit Strich statt Punkt unten links, 2006Fehldatum 27.09.2012 statt 2002Fehldaten im Herbst 2014 statt 2003404, 31 mm, 18.01.2006–22.10.2007Fehldatum 21.12.2012 statt 2002404, Infopost rot, 25.09.–06.11.2007Absenderstempel, 46 × 25,5 mm, 20.06.2003Schlachthofstraße, 55,5 × 24,5 mm, 2004Trabantstraße, 57 × 24,5 mm, 14.09.2006Zusatzstempel „Achtung! Neu!“, 36,5 × 11,5 mm, 2003–2004
Postwurfsendung der Niederlassung Zwickau-West im Format DIN A6, 1. November 2003 – Werbung in eigener Sache, zugestellt im eigenen Netz.
431, 31 mm, 21.01.–02.10.2003431, Infopost rot, kleines Datum, 22.06.2007450, 31 mm, 30.01.2003–08.03.2007450, Infopost rot, 21.07.2003–12.06.2006450, kleines Datum, 02.08.2005–15.11.2006450, Infopost, kleines Datum, 2005–2008461, 31 mm, 09.10.2002–07.02.2008461, Infopost rot, 17.12.2002–21.10.2005461, kleines Datum, 01.11.2005–10.01.2008461, Infopost, kleines Datum, 25.10.2007471, 31 mm, 22.08.2002–21.12.2007Fehldatum 26.06.2014 statt 2003471, Infopost rot, 24.02.2006–30.10.2007471, kleines Datum, 31.03.2006–06.11.2007471, Infopost, kleines Datum, 14.10.2005Absenderstempel Plauen, 57 × 20 mm, 20.05.2005Werdau-Crimmitschau, 50,5 × 21 mm, 22.08.2003Werdau, Plauensche Straße, 58 × 22 mm, ab 11/2003
Werbestempel: die Region im Stempelkopf
Am reizvollsten sind die Werbestempel. Wenn ein Großkunde genug Sendungen einlieferte, bekam er einen eigenen Stempel mit Beizeichen – gut 63 bis 71 mm breit, links der Rundstempel, rechts das Kundenlogo. So entstand eine kleine Landeskunde Westsachsens auf Briefumschlägen.
Technische Universität Chemnitz, 67,5 × 31 mm, 16.02.–10.06.2004Zusatzstempel TU Chemnitz, 42 × 22 mm, in Kombination mit 100 rotKlinikum Chemnitz gGmbH, 68,5 × 31 mm, 08.10.2007Kreissparkasse Freiberg, 69 × 31,5 mm, 02.02.2004–24.02.2005SWG-Service Freiberg, 71,5 × 31,5 mm, 21.01.2005–07.02.2008Volksbank Mittleres Erzgebirge, Marienberg, 70 × 35,5 mm, 06.06.2007Sparkasse Mittleres Erzgebirge, 71 × 35,5 mm, 12.07.2005Amtsgericht Auerbach, 63 × 33 mm, 16.12.2003–03.03.2004Amtsgericht Auerbach mit Rufnummer der VDL, 67,5 × 33 mm, 2004–2006Tag der Sachsen, Reichenbach 2007, 63 × 33 mm, 01.03.–03.09.2007Staatliches Umweltfachamt Plauen, 65 × 31 mm, Oktober/November 2003Regierungspräsidium Chemnitz, Außenstelle Plauen, 64,5 × 31 mm, Januar 2005Finanzamt Plauen ohne waagerechte Stege, 69 × 31 mm, 2004–2005Finanzamt Plauen, zweite Form, 69 × 31 mm, 2005–2006Amtsgericht Plauen, 68 × 31 mm, 04.12.2006–06.02.2008
Frankiermaschinen
Freiberg ist die einzige Niederlassung, aus der Freistempel bekannt sind. Die Abdrucke von rund 130 mm Breite zeigen den Wandel der Marken besonders deutlich: erst VDL Express, dann City-Post, zuletzt die P2-Kennung.
Frankiermaschine mit Eigenwerbung, 131,5 × 24,5 mm, blau bis violett, 05.01.2005–05.05.2008Freistempel in Rot, vermutlich Infopost, 131,5 × 24,5 mm, 29.03.2005Infopost-Freistempel in Violett, 129,5 × 24,5 mm, 18.01.2006Freistempel mit Werbeklischee der Kreissparkasse Freiberg, 130 × 24,5 mm, 2004–2006Erste City-Post-Maschine, Zweikreisstempel, 128,5 × 24 mm, 13.05.–30.10.2008City-Post, Infopost, 128,5 × 24,5 mm, 17.11.2008City-Post mit Klischee der Kreissparkasse Freiberg, 130 × 24 mm, September 2008Einkreisstempel „City-Post – P2 – 008“, 128,5 × 24 mm, 20.02.2009–04.02.2010P2-Freistempel für Infopost, 12.08.2009Der Fehldruck des Gebiets: Werbeklischee kopfstehend, 124,5 × 25,5 mm, 16.–17.02.2009
Einschreiben, Zusatzstempel und Aufkleber
Ein Briefdienst braucht mehr als einen Tagesstempel. Einschreibsendungen erhielten eigene Stempel und Labels mit den Kennbuchstaben A, B und C, unzustellbare Sendungen bekamen vorgedruckte Aufkleber, und wenn eine mangelhafte Anschrift die Zustellung verzögert hatte, sagte das ein eigener Stempel.
Einschreiben-Stempel „A“, 57,5 × 25,5 mm, Freiberg, 04.07.2007Einschreiben-Stempel, 56,5 × 29 mm, Burgstädt, 30.01.2008„City-Post Briefdienst“, 58 × 30 mm, Mittweida, 2008–2009„City-Post Ihr Postdienstleister“, 57 × 24 mm, Freiberg, 21.05.200857 × 23 mm, Döbeln und Oschatz, 27.01.2010Einschreiben-Stempel „B“, 60 × 24,5 mm, Delitzsch, 15.03.2007Einschreiben-Label „A“, 63,5 × 29,5 mm, Chemnitz, 2003–2005Einschreiben-Label „A“, Marienberg, 15.09.2003Einschreiben-Label „A“, Oelsnitz/Klingenthal, 07.10.2003Einschreiben-Label „C“ der City-Post, Chemnitz, 2008–2009„Zu Prüfzwecken geöffnet“, 69 × 10 mm, Chemnitz-Nord/Ost, 24.04.2003Aufkleber zu Laufzeitverzögerungen, 69,5 × 42 mm, Stollberg, 2002–2003„Zustellung nicht möglich, weil …“, 60,5 × 75 mm, Chemnitz, 2000–2001Dieselbe Form in Lila, mit zusätzlichem Gummistempel „UDB-geprüft“, 17.12.2001Unzustellbar-Label, 55 × 75 mm, Druckdatum 07.2002Druckdatum 10.2002, verwendet April 2003Druckdatum 08.2003, die Silbe „un“ mit Korrekturband abgedeckt
Zudrucke für Behörden
Arbeitsämter, ARGEn, Staatsanwaltschaft: Wer regelmäßig große Mengen einlieferte, ließ den Beförderungsvermerk gleich auf den Umschlag drucken. Diese Zudrucke auf DIN-C6-lang-Umschlägen sind zugleich ein Stück Verwaltungsgeschichte – man kann an ihnen die Umbenennung vom Arbeitsamt zur Bundesagentur für Arbeit und die Einführung der ARGEn ablesen.
Zwickauer Arbeitsamt, 156 × 21,5 mm, 05.06.2003–09.01.2004Bundesagentur für Arbeit Zwickau, 157 × 21,5 mm, 2003–2004Bundesagentur für Arbeit Stollberg, 157 × 21,5 mm, 07.04.2004ARGE Zwickauer Land, 159 × 21,5 mm, ab 28.09.2005ARGE Zwickau Stadt, 156 × 21,5 mm, ab 21.09.2005Staatsanwaltschaft Zwickau, 119,5 × 23 mm, ab 10.10.2005Neutrale Fassung für die Bundesagentur für Arbeit, 130,5 × 23 mm, 2005–2007Ältere Fassung für die Staatsanwaltschaft Zwickau, 156 × 21,5 mm, 2004–2005Dieselbe Behörde, neue Marke: City-Post-Fassung, 135 × 14 mm, 2008–2009ARGE Chemnitzer Land, City-Post, 135,5 × 14 mm, März 2009
2007 und 2008: Umbenennung, Marktöffnung, Mindestlohn
Ab 2006/07 erschienen in Ostsachsen Stempel einer neuen Marke: „City-Post Briefdienst“, zunächst in Dresden, Meißen, Görlitz, Bautzen, Pirna, Kamenz, Hoyerswerda, Löbau, Dippoldiswalde sowie in Leipzig, Delitzsch, Döbeln, Grimma, Borna und Torgau. Im Frühjahr 2008 folgte der Westen: Aus den VDL-Stempeln wurden Zweikreisstempel mit der Umschrift „City-Post • Ihr Postdienstleister“. Der Wechsel lässt sich beinahe tagesgenau datieren – die ersten City-Post-Abschläge in Chemnitz, Aue, Freiberg und Mittweida stammen aus dem März 2008, die letzten VDL-Stempel aus dem Februar und März desselben Jahres.
Der Hintergrund war ein doppelter. Zum 1. Januar 2008 fiel das Briefmonopol vollständig; die Pflicht zur höherwertigen Dienstleistung entfiel, und der klassische Briefdienst mit eigenen Briefkästen und Annahmestellen wurde erst dadurch möglich. Gleichzeitig trat zum selben Tag ein für allgemeinverbindlich erklärter Post-Mindestlohn von 9,80 Euro in Kraft. Für die jungen Wettbewerber war das ein schwerer Schlag: Die PIN Group meldete schon im Dezember 2007 Insolvenz an, binnen weniger Monate kam es bundesweit zu Dutzenden Marktaustritten, Insolvenzen und Lizenzrückgaben, und mehrere tausend Arbeitsplätze gingen verloren. Das Berliner Verwaltungsgericht erklärte die Mindestlohnverordnung am 7. März 2008 für rechtswidrig; das Bundesverwaltungsgericht bestätigte das am 28. Januar 2010 letztinstanzlich. Für viele Unternehmen kam das Urteil zu spät.
Wer in dieser Lage überleben wollte, brauchte ein bundesweites Netz. Elf Verlage und Zustellunternehmen hatten dafür 2007 den Verbund P2 – Die Zweite Post gegründet, dessen operativer Betrieb im Frühjahr 2008 startete. Ab November 2008 tragen die sächsischen Stempel deshalb eine neue Inschrift: Aus dem Zweikreisstempel „City-Post • Ihr Postdienstleister“ wird der 29-mm-Einkreisstempel „City-Post – P2 – 008“.
Chemnitz, 29 mm, 23.10.2008–23.02.2010Chemnitz, Infopost, 07.09.2009102, Normstempel mit langem „y“, 2008–2010102, Sonderform mit kurzem „y“, ab 10.06.2010Mittweida 111, langes „y“, 2008–2009Mittweida 111, kurzes „y“, 2008–2010Annaberg 121, 03.11.2008–04.03.2010Annaberg 121, Infopost, 2008–2009Aue 131, 03.11.2008–05.03.2010Aue 131, Infopost, 2008–2009Freiberg 161, 04.11.2008–08.03.2010Freiberg 161, Infopost, 2009Werdau 171, 04.11.2008–01.02.2010Werdau 171: In der Kennung fehlt die „8“, August–Oktober 2009Hohenstein-Ernstthal 232, 2008–2010232, Infopost mit Datum 05.11.2016 – der späteste bekannte Fehldatums-AbschlagZwickau 401, 03.11.2008–02.03.2010Plauen 450, 03.11.2008–05.03.2010Auerbach 461, 15.12.2008–04.03.2010Auerbach 461, Infopost, 2009
Auch die Werbestempel wurden auf die neue Kennung umgestellt – und kamen jetzt teils für Anlässe zum Einsatz, die es 2002 noch gar nicht gab.
Sparkasse Mittleres Erzgebirge, 67,5 × 31,5 mm, 06.04.2009–22.06.2010Dieselbe Werbung in Rot für Infopost, 22.09.2010Volksbank Mittleres Erzgebirge eG, 67 × 30 mm, 10.09.2008Kreissparkasse Freiberg, 69 × 31 mm, Juni–September 2009Sparkasse Mittelsachsen, 69,5 × 30,5 mm, Mai 2010„Schneller ist besser“ – Logistik GmbH Freiberg, 66 × 27 mm, Mai–September 2010Der zugehörige Zusatzstempel, 33 × 11,5 mm, 23.10.20095. Sächsische Landesgartenschau Reichenbach 2009, 65,5 × 30 mmDieselbe Werbung als Zweikreisstempel, 68,5 × 32,5 mm, August–Oktober 200813. Sächsisches Landeserntedankfest Auerbach 2010, 71 × 30 mmAmtsgericht Auerbach unter City-Post, 68,5 × 32,5 mm, Oktober 2008Amts- und Landgericht Zwickau, 69 × 29 mm, 30.10.2009–09.08.2010Sächsische Krebsgesellschaft e. V. Zwickau, 68 × 29 mm, 16.09.2010Finanzamt Plauen unter der P2-Kennung, 67,5 × 31,5 mm, 19.05.2010
Wenn der Stempel gedruckt wird
Eine Besonderheit dieser Jahre sind die eingedruckten Stempel: Bei angemeldeten Mailings wurde der Tagesstempel nicht mehr abgeschlagen, sondern gleich im Offsetdruck oder digital auf den Umschlag beziehungsweise auf ein Etikett gebracht, kenntlich an einer Mailing-Nummer wie „ANR 00 15“ oder „ANR 02 22“. Für die Postgeschichte ist das der Übergang vom Handstempel zur Datenverarbeitung – sichtbar gemacht auf Papier.
24,5 mm, Mailing „ANR 00 15“, Offsetdruck, 23.01.200925,5 mm, „ANR 00 83“, 16.11.200929 mm, „ANR 00 98“, Winter 2009/201028,5 mm, „ANR 02 22“, digital eingedruckt, 2010Das vollständige Etikett zum Mailing „ANR 02 22“
Das Ganzstück dazu: Infopost mit im Offset eingedrucktem Stempel, Mailing „ANR 00 15“, 23.01.2009Mailing „ANR 00 83“, 16.11.2009Mailing „ANR 00 98“, zwischen September 2009 und Februar 2010Infopost mit eingedrucktem Zweikreisstempel, Chemnitz 102, 17.10.2008
Ostsachsen und der Leipziger Raum
Der City-Post-Verbund reichte weit über Westsachsen hinaus. Zwischen Görlitz und Torgau stempelten ein gutes Dutzend rechtlich eigenständiger Gesellschaften mit demselben Stempelbild und unterschiedlichen Kennziffern.
201 Dresden, City-Post Briefdienst, 2007–2008201 Dresden, neue Umschrift, April–September 2008250 Meißen, 25.07.2007255 Großenhain und Riesa, 02.10.2007260 Kamenz und Bischofswerda, 04.07.2007265 Pirna und Sebnitz, 2006–2007270 Dippoldiswalde und Freital, 03.08.2007275 Hoyerswerda und Weißwasser, 2007–2008280 Görlitz und Niesky, 2007–2008285 Löbau und Zittau, 2006–2007290 Bautzen, 2006–2007300 Leipzig, 2006–2008300 Leipzig mit P2-Kennung, 2008–2010330 Delitzsch und Eilenburg, 2006–2007340 Torgau, Mai–August 2008350 Döbeln und Oschatz, 2007–2008360 Grimma und Wurzen, 2006–2008370 Borna und Geithain, 2006–2007370 Borna, abweichende Größe 30 mm, 14.07.2009
Dresdner Volksbank Raiffeisenbank eG, 69 × 31 mm, 2007HDI Leipzig, 60 × 30,5 mm, 18.06.2006Amtsgericht Döbeln, 68,5 × 30,5 mm, Dezember 2007Landratsamt Muldentalkreis, 68 × 31 mm, 18.09.2007„Befördert im Auftrag von: Landkreis Leipzig“, 71 × 31,5 mm, 2008–2010„Borna muss Kreissitz bleiben!“ – Kommunalpolitik im Stempel, 67,5 × 31 mm, Frühjahr 2007Bundesagentur für Arbeit, Pirna, 69 × 31 mm, 07.05.2007Zusatzstempel „S02 (D)“, Döbeln, 20.06.2007
2010: die Aufteilung
Der Verbund blieb nicht stabil. Zum 1. Februar 2010 übernahm die neu gegründete City-Post Service GmbH & Co. KG in Chemnitz mit der Kennziffer 490 den Geschäftsbereich Briefdienst. Wenige Monate später gingen die nordwestsächsischen Gesellschaften an die Verlagsgesellschaft Madsack: Ab Ende August 2010 erscheinen in Leipzig, Delitzsch, Döbeln, Grimma und Borna Einkreisstempel mit der Inschrift „LVZ post – P2 – 033“ – dieselbe Netzlogik, ein anderer Eigentümer.
City-Post Service 490, Chemnitz, 01.–09.03.2010490, Infopost, 01.–02.03.2010Leipzig 300, 28 mm schwarz, ab 07.09.2010Leipzig 300 in Blau, September/Oktober 2010Leipzig 300, Infopost rot, ab 03.09.2010Delitzsch 330, 28 mm schwarz, August–Oktober 2010Delitzsch 330 in Blau, September 2010Döbeln 350, September–November 2010Döbeln 350 in Blau, August/September 2010Grimma 360, September 2010Borna 370, September/Oktober 2010Borna 370, größere Form mit 29 mm, ab 15.09.2010Eingedruckter Stempel für das Mailing „LVZ 06“, 30 mmAbsenderstempel der City-Post Service, 69 × 29 mm, Februar 2010
Der Ausflug nach Oberfranken
Kaum bekannt ist, dass die VDL auch jenseits der Landesgrenze zustellte: Die Vertriebsdienstleistungen Hof Express GmbH mit Sitz in Oelsnitz betrieb Betriebsteile in Hof, Wunsiedel, Kulmbach und Bayreuth. Die Stempel tragen die Kennziffern 490 bis 496 und zeigen erst „Vertriebsdienstleistungen Express“, später „VDL-Briefdienst“.
Im Westen blieb der City-Post-Verbund zunächst eigenständig und wuchs zu einem Unternehmen mit rund 1.500 Beschäftigten heran. Am 1. Juli 2023 übernahm dann die Dresdner MEDIA Logistik GmbH – Betreiberin von PostModern und Tochter der DDV Mediengruppe – 90 Prozent der Anteile. Damit gehörten der Briefdienst der Sächsischen Zeitung und jener der Freien Presse erstmals zusammen. Am 7. Mai 2024 folgte das sichtbare Ende einer Epoche: Aus City-Post wurde PostModern. Über 560 ehemalige City-Post-Annahmestellen wurden zu PostModern-Servicepunkten, rund 600 rote „Känguru-Briefkästen“ kamen in den Postleitzahlgebieten 08 und 09 hinzu.
Nach 24 Jahren verschwanden damit die dreistelligen Kennziffern aus dem sächsischen Stempelbild. Was im Januar 2000 als Nummer 100 in Chemnitz begann, endete 2024 als Filialnetz eines Dresdner Unternehmens.
Hinweise für Sammler
Falsche Jahreszahlen. Die Datumseinsätze wurden von Hand gestellt, und offenbar nicht immer sorgfältig. Belegt sind unter anderem Abschläge vom 8. August 2012 statt 2002, vom 27. September 2012 statt 2002, vom 9. April 2014 statt 2003, vom 16. September 2014 statt 2004 und – umgekehrt – vom 8. April 1999 statt 2000. Solche Stücke sind keine Fälschungen, sondern Zeugnisse des Betriebsalltags; ein Stempel, der lange nach dem Ende des Unternehmens datiert, verrät nur, dass jemand am Montagmorgen die falsche Jahresscheibe eingesetzt hat.
Typenunterschiede. Innerhalb derselben Kennziffer existieren oft mehrere Stempel: kleines und großes Datum, enge und weite Schrift, Punkt oder Strich am unteren Rand, breiter oder schmaler Außenring, langes und kurzes „y“. Wer nur nach Ortsnummern sammelt, übersieht die Hälfte des Materials.
Farbe als Gebrauchsspur. Schwarz, Blau, Rot und Violett stehen nicht für Schönheit, sondern für Sendungsarten und Farbkissen. Blaue Abschläge treten meist nur in kurzen Zeiträumen auf – oft dann, wenn das schwarze Kissen leer war.
Ganzstücke schlagen Ausschnitte. Weil der Absenderstempel die rechtliche Konstruktion der Jahre 1998 bis 2007 dokumentiert, ist ein vollständiger Umschlag mit Tages-, Absender- und gegebenenfalls Zusatzstempel deutlich aussagekräftiger als ein herausgeschnittener Stempelabschlag.
Wie es heute aussieht
Am 19. Juli 2024 löste ein neues Postgesetz jenes von 1997 ab. Die Lizenzpflicht wurde durch ein Anbieterverzeichnis ersetzt, und die Laufzeitvorgaben wurden gelockert: Seit 2025 müssen im Jahresdurchschnitt 95 Prozent der Briefe am dritten und 99 Prozent am vierten Werktag zugestellt sein. Der Wettbewerb selbst blieb überschaubar – die Deutsche Post hält im Briefmarkt weiterhin einen Anteil von rund 89 Prozent, und ernsthafte Konkurrenz gibt es im Wesentlichen bei Geschäftskunden.
Gerade deshalb ist die sächsische Geschichte bemerkenswert. In den Postleitbereichen 08, 09 und 01 hat sich über ein Vierteljahrhundert ein funktionierender zweiter Briefdienst gehalten, getragen von Zeitungsverlagen, deren Zusteller ohnehin jeden Briefkasten der Region kennen. Übrig geblieben ist davon ein Unternehmen statt zwanzig, ein Känguru statt zweiundzwanzig Kennziffern – und ein Sammelgebiet, dessen Belege sich noch heute aus dem Altpapier von Behörden, Sparkassen und Amtsgerichten ziehen lassen, ehe sie endgültig verschwinden.